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“Alles grau grau Nebel und Rauch
Jemand hat den Himmel und die Straße vertauscht 
Hallo Welt, ich bin noch nicht da”

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 “Für alle die lebenp20161012-195634
und übers Wetter reden,
für alle die dauernd schreien
damit sie jeder verstehn kann,
Für alle die spielen,
für alle die singen,
für alle die zaubern,
und für immer verschwinden.
die Krisen im Auto,
die Kinder zuhause.
Für alle die nie kriegen
was sie brauchen
Der Himmel ist blau wie noch nie
Der Himmel ist blau wie noch nie”

[Texte: Lichtspender aka Die Höchste Eisenbahn]

About Neukölln (2006 – 2013)

Ich habe es dir am Anfang nicht gerade leicht gemacht, ich weiß. Es hat sehr lange gedauert, bis wir uns an einander gewöhnt haben, aber dann, als wir unsere Ecken an einander abgeschliffen haben, uns beide zusammengerissen haben, seitdem klappt das doch ganz ok, oder?! Ich nenn dich liebevoll “Taube”, auch wenn wir beide wissen, dass damit nicht so eine schöne weiße, sondern eine ranzige atzengraue gemeint ist.

Ich bin ja nicht freiwillig zu dir gezogen, als von Bars und Nachtleben verwöhnte Kreuzberg36Oranienstraßenkind war Neukölln immer bäh, der Hermannplatz war eine imaginäre Grenze, die Sonnenallee das Tor zum Pfui. Ja, so war das damals vor 2006. Verrückt was danach alles geschehen ist…

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Die ersten Freunde zogen ab 2002 “rüber”, als Kreuzbergerin schüttelte ich den Kopf “Verrückt oder was?!” fragte ich sie alle. Alle sagten dasselbe “Ach, geht schon – sooo schlimm ists gar nicht. Immerhin ne schöne Wohnung und günstig ist die auch!”. Ich rümpfte die Nase, “Ne, ich zieh hier nicht – NIEMALS *hehehehe*.” (wir alle kennen das Lied von Feivel der Mauswanderer?!).

Dann also doch, ich in Neukölln. Ja, haste komisch geguckt wa, als ich da plötzlich mit nem Umzugswagen unsere Grenze überschritten habe. Tja, was machen wir nun miteinander?! Was kannst du so? Was hast du mir zu bieten? Habe ich dich mehr als einmal gefragt. Manchmal murmeltest du was undeutlich zurück. Aber ach, ich schielte immer wieder rüber nach Kreuzberg, meinte sogar sowas wie Erleichterung zu spüren, wenn ich den Hermannplatz passierte, die Luft rieche plötzlich ganz anders und überhaupt, ist das hier bunter?! Ja, lachen wir heute zusammen drüber, ne?

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Irgendwann hast du dann begonnen dich immer mehr herauszuputzen. Zunächst hier ein erstes schniekes Haus, dann da noch eins. Man ging durch dich plötzlich ein wenig wunderlicher, irgendwas passierte hier. Samenbomben wurden über dich abgeschossen, Bars, Cafés und Galerien blühten auf einmal nacheinander auf. Am Hermannplatz und Rathaus Neukölln stiegen scharen von jungen Menschen ein und aus, huch, was los?!

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Ja, plötzlich warst du rotzige Schnute “Hip”, irre was? Das hier irgendwas nicht ganz in Ordnung ist habe ich das erste Mal so richtig realisiert, als Freunde AUS Kreuzberg NACH Neukölln zum “Feiern” kamen. “Bekloppt oder was?!” fragte ich. “Ne, hier geht voll was” antworteten sie. Hm. Ab dann war alles ein verrauchtes Gequetsche und Schieben, zerschellte Bierflaschen und Stimmengewirr bestimmen seitdem deine Nächte, hindern dich am schlafen, Neukölln.

So manches Mal war ich munter dabei, habe dich beschallert, mich in den Massen gewälzt und bin auf deinen Straßen getanzt. Aber ach, so richtig zufrieden war ich dennoch nicht. “Wie jetze?!” fragtest du mich, puckerte in mir drinne doch noch immer das Kreuzbergherz, du wusstest, du wirst immer nur zweite Wahl sein. “Ick hab mir voll schick gemacht und es reicht noch immer nicht? Geh doch!” sah ich da eine kleine Träne in deinen Augen? Nein, Neukölln heult nicht, Neukölln rempelt deine Schulter und geht an dir vorbei. Ich blicke dir seufzend hinterher.

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Und ja, ich gehe und lasse dich aufgemotzt zurück. Hinterlasse ich eine Mulde? Einen Abdruck? Irgendwas das zeigt, ich war hier?! Danke für die Mühen, kleine Taube. Bitte übertreibe es aber nicht mit dem Make-up, versprichst du mir das? Hie und da ein kleiner Pickel, das darf ruhig sein. Mein Platz ist auf der anderen Seite des Hermannplatzes, ich komm dich aber immer mal wieder besuchen, Berlinerinehrenwort.

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*Schulterknuffer* – Claire

Heimat als Hörspiel

Eine kleine Empfehlung an alle, die Berlin und Hörspiele lieben. Eine Ode der Hassliebe an diese Stadt, einleitende Worte, die ich auch schon so oft gespürt habe. Das ständige umherirren und kirre sein, das diese Stadt immer hervorbringt, gepaart mit den vielen Geschichten, die jede Ecke in einem hervorruft und die man manchmal gerne abstellen würde und sie manches Mal doch bewusst aufsucht. Kleine Monumente, an denen man bestimmte Phasen oder Gefühle der Vergangenheit verankert.

“Angst hab ich nie auf der Straße, in den Häusern, das ist nämlich meine Stadt, und ich kenn hier alles, jawohl, meine Stadt, da hab ich mit dem im Gras gelegen und da hab ich gestanden weil ich früher fort bin, weil der sich nicht umgedreht hat, auf dem Boot hab ich nachts gepicknickt und vor dem Museum hab ich zum ersten Mal die kleine Hand meines Neffen gehalten. Ich bewohne diesen Ort, zu jeder Zeit in jedem Alter, und stehe plötzlich irgendwo und denke, ich liebe diese Stadt, weil sie mich wieder überrascht hat, weil sie etwas organisiert hat ohne mir etwas davon zu sagen, einen Mann auf einer Brücke, der mir hinterher läuft, einen Mond im Wasser, ein Fest das drei Tage dauert.”

Das Hörspiel “Wege sein” von Judith Lorentz und Britta Steffenhagen, hier (SWR) zum Anhören.

 

KW 04

21.01.-27.01.13

Jeder Tag ein Foto

Ich möchte für mich selbst festhalten, dass diese Woche wahnsinnig spannend und bereichernd für mich war. Zunächst habe ich aufgrund eines Forschungskolloquiums auf dem ich mein (voraussichtliches) Masterarbeitsthema verteidigt vorgestellt habe, spannendes Feedback und nötigen Input erhalten. Daher war ich einen ganzen Tag lang nicht im Internet und musste am Abend feststellen, dass ich den Ausbruch einer feministischen Twitterrevolution verpasst habe. Der Hashtag #aufschrei wurde geboren und ich saß in Frankfurt (Oder). Sexismus im Alltag, über den wohl jede Frau zumindest eine traurige “Anekdote” zu erzählen hat, wird hier öffentlich zum Ausdruck gebracht. Eine Auseinandersetzung die bereits lange überfällig und vor allem notwendig ist. Mein feministisches Herz hüpfte also die meiste Zeit am Wochenende herum, ob der großen Resonanz, auch wenn ich nicht alle Richtungen der Debatte begrüßt habe. Aber den negativen Aspekten möchte ich an dieser Stelle erst gar keine Aufmerksamkeit schenken.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an ein paar tolle (mir im offline-Leben unbekannte) Frauen und ihre Beiträge (gestern, wie heute, wie morgen):

 

Good Bye, Good Hello

Tschüssi 2012, du oller Muffelkopp.

Auch wenn ich glaube, dass 2013 für mich in vielerlei Hinsicht ein Jahr voller Herausforderungen sein wird, einfach mal gespannt sein, was drüben auf einen wartet.

Und wenn es ganz schlimm wird, mit dem Alter lernt man zu wissen, dass die Zeit immer schneller verfliegt und auf ein Jahr immer ein neues folgt, egal was passiert.

Kleine Rekapitulation 2012:

1. Mal gemacht: Ein Tattoo stechen lassen, das beste Motiv der Welt, für die beste Sache der Welt. Nix bereut, immer wieder.

2. Halt gefunden: Musik, insbesondere Grizzly Bear – Shields, meine Lieblingsplatte ’12

3. War weniger gut: ArbeitKopfSelbstbewusstseinGesundheit

4. “Vorsatz”: Mehr Bewusstsein, weniger muffeln, besser Essen, Dinge geregelt bekommen, NEW YORK

**Prosit**

******EDIT*****

Ich habe in der Eile mein absolutes Highlight 2012 vergessen, meet and greet mit Justus Jonas <3 (und jaaa, Alkohol und Freude haben mit meinen Gesichtsmuskeln eine wilde Party veranstaltet)

Sprecher Oliver Rohrbeck (Foto: audible.de / Steffi Vogel)